Spielen und Spielesammeln als Hobby

Warum spielt der Mensch überhaupt?

Der niederländische Historiker Johan Huizinger hat zwar in seinem Standardwerk "Homo Ludens" 1938 im Detail nachgewiesen, daß alle Kultur ihren Ursprung im Spiel hat; die Frage jedoch, was eigentlich den Witz eines Spiels ausmacht, widerstrebt bisher jeder Analyse und logischer Interpretation. Einig sind die Psychologen bisher nur in zwei Punkten:

Wir wissen lediglich, daß wir spielen. Aus Überschuß an Lebenskraft, zur Entspannung, aus einem angeborenen Nachahmungstrieb heraus oder mit dem ungestillten Bedürfnis, auch außerhalb der Arbeitswelt etwas zu können, zu erleben, zu verursachen. Die freie Zeit nach der Arbeit ist gewachsen und beläßt dem einzelnen weitaus mehr Raum für die private Gestaltung seines Lebens als sich das eine Generation zuvor hätte träumen lassen. Die Freizeitindustrie offeriert vielfältige Angebote zur Nutzung dieser Zeit - es fragt sich jedoch, ob dieser vermarktete Bereich wirklich das bieten dann was wir suchen - nämlich Ruhe, Entspannung, Gelöstheit, eben Freiheit von jenen Alltagsproblemen, die uns so oft bedrängen.

Wenn wir spielen, tun wir das gewöhnlich im Familienkreis, mit Freunden oder Bekannten. Das Geselligkeitsmotiv ist also ebensoentscheident wie die Freude oder der Spaß an der Sache. Wer je in einer frohen Runde gespielt hat, wird von dieser Atmosphäre gefangengenommen, wird fasziniert und begeistert sein und bestätigen können, daß Spiel auch für uns Erwachsene zur Passion werden kann.

Die Entwicklung der Freizeitindustrie in den letzten Jahren deutet auf eine Konjunktur der Spielebranche hin. Während die Umsatzzahlen der Spielzeugbranche stagnieren, teilweise rückläufig sind, weisen die der Spielbranche Steigerungen zwischen 15% und 20% aus. Ein Beispiel ist der Einstieg des US-Konzerns Mattel in die deutsche Spieleszene.

Auch das stetig wachsende Interesse an verschiedenen Veranstaltungen weist auf diesen Aufschwung hin. Aus einem Insider-Treffen im Rahmen der Volkshochschule Essen entwickelte sich eine eigenständige Spielemesse, die "Internationalen Spieletage in Essen" (im Gegensatz zur Spielwarenmesse in Nürnberg eine reine Spielemesse). Die Veranstaltung, die jedes Jahr in Oktober in mehreren Hallen des Essener Messegeländes stattfindet, mit über 100.000 Besuchern an 4 Tagen, ist inzwischen die wichtigste Publikumsmesse für Spiele und Spieler, für Spielehersteller und Spielautoren, für Medien und Journalisten in Westeuropa.

Ebenfalls 1983 ins Leben gerufen und sofort ein Bombenerfolg wurde das jährlich stattfindende "Göttinger Autorentreffen" . Das Hauptanliegen dieser Veranstaltung gilt den Spieleautoren und natürlich deren neuen Spielen. Ebenso werden Themen wie Autorenschutz, Regelgestaltung, Layout und Schutz von Entwürfen, Honorare etc. erörtert. Höhepunkt ist die Verteilung des "Göttinger Spatz", ein Förderpreis für den Spieleautor des Jahres.

Mit der zunehmenden Zahl der auf den Markt kommenden Spiele wuchs auch die Ratlosigkeit des Käufers. Die Spielekritik steckte noch in den Anfängen, nur einige Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten Spielerezensionen, das Verkaufspersonal, nicht nur in Großmärkten, auch in Fachläden, verfügte oft nicht über ausreichende Kenntnisse und Erfahrung in Sachen Spiele. Da kamen einige wenige Spiele-Rezensenten des deutschsprachigen Raumes 1979 auf die Idee und schufen den Kritikerpreis "Spiel des Jahres" und die Sonderpreise "Schönstes Spiel des Jahres" und "Schönstes Kinderspiel". Später wurde noch die "Bestenliste Spiel des Jahres" und die "Essener Feder" für die beste Spielregel geschaffen. Zielsetzung dieser Preise ist es, spielfreudigen Erwachsenen und Familien Orientierungshilfe zu geben und gute Spiele herauszuheben. Neben der gutgemeinten Absicht, dem Käufer und Kunden Entscheidungshilfen zu geben, sind diese Preise natürlich auch für die Firmen begehrte Objekte, die Umsatzzahlen eines preisausgezeichneten Spiels sprechen in dieser Wachstumsbrache für sich.

Doch das vielfältige Angebot besteht ja nicht nur aus dem "Spiel des Jahres" . Die heutige Produktpalette ist so reichhaltig und verschieden, daß für jeden Anspruch, für jede Gruppe etwas dabei ist - sofern dem Interessierten Informationen darüber zugänglich gemacht werden. In Spielerkreisen machen eine Menge Begriffe die Runde, die für einen Außenstehenden oftmals unverständlich sind.

Das erschwert vielen, die sich für Spiele und das Spielen interessieren, den Zugriff zur faszinierenden Welt der Spiele; Begriffe wie Aktionsspiele, Autorenspiele, Bier- und Brezelspiele, Brettspiele, Cosimspiele, Deduktionsspiele, Fantasy-Spiele, Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, KIM-Spiele, Klassiker, Kooperative Spiele, Legespiele, Postspiele, Quizspiele, Rollenspiele, Solitärspiele, Sportspiele, Strategiespiele, Taktikspiele, Werbespiele, Wirtschaftsspiele, Würfelspiele - gehört hat man einige davon, genaues weiß man jedoch nicht darüber und vor allem: welche aktuellen Spiele fallen darunter, wie sehen diese Spiele aus, wie funktionieren sie, was ist das Spielprinzip, der Spielmotor, für welche Zielgrupe, ab welchem Alter eignet sich ein Spiel? Der Fachhandel ist auch meist überfordert, umfassende Antwort und Beratung auf diese Fragen zu geben. Und nicht nur Information ist gefragt - man will auch anschauen, auspacken, ausprobieren.Seit einiger Zeit schon gibt es in Reutlingen einen regelmäßig stattfindenden Spielekreis, bei dem sich nicht nur der informierte Spielfan wohlfühlt. Auch bei Menschen, die nur gelegentlich mal zur Spielschachtel greifen, wird das Interesse für eine Freizeitbeschäftigung geweckt oder vertieft, von der schon der griechische Philosoph Aristoteles sagte:"Trefflich erscheint mir der Ausspruch des Anacharsis zu sein: "Spiele, damit du ernst sein kannst. Denn das Spiel ist Ausruhen, und die Menschen bedürfen, da sie nicht immer tätig sein können, des Ausruhens"."