Civilization

Tausche Salz gegen Papyrus

Schlüpfen Sie in die Rolle eines Stammesführers, gründen Sie ein Reich und ziehen Sie aus den Urwäldern Mitteleuropas, den Steppen Asiens oder den Wüsten Afrikas in die fruchtbaren Mittelmeergebiete, um dort Zivilisationen zu errichten.

1981 zuerst in England erschienen, hat sich "Civilization" zum Kultspiel entwickelt und ist inzwischen auch als deutsche Lizenzausgabe erhältlich. Das Spiel ist komplex, doch sind die Regeln übersichtlich gestaltet und Details während der ersten Spielzüge erlernbar.

Auffallend ist zuerst die Unmenge an Countern (= kleine Papplättchen als Spielfiguren). Sie stellen Volkeinheiten, Schiffe, Städte und Geldeinheiten dar. Eine Landkarte des antiken Mittelmeerraumes dient als Spielplan und ist in viele kleine Land-, Küsten- und Meeresregionen unterteilt, sie bilden die Spielfelder. Bis zu sieben Spieler wählen eines der historischen Völker aus, von Kreta über Asien bis Thrakien. In drei sich überlappenden Stufen entwickelt sich der Aufstieg vom Nomadenvolk zur hochentwickelten Kultur: Landnahme. Städtegründung und Entwicklung von zivilisatorischen Fähigkeiten.

Scheint in der Anfangsphase des Spiels eine hemmungslose Eroberungstaktik angesagt, erkennt man schnell, daß eine aggressive Spielweise nicht lohnt. Konflikte bei der Eroberung von Gebieten bleiben auf Ausnahmen beschränkt und so versucht man, baldmöglichst Städte zu gründen. Denn diese bedeuten den Reichtum, den man braucht, um so begehrte Fähigkeiten wie Astronomie, Philosophie und Demokratie zu erwerben.

Durch die Städte erhält man nämlich Handelswaren (z.B. Salz, Papyrus oder gar Gewürze und Juwelen in Form von Kärtchen). In einer meist lautstarken Handelsphase versucht man, den Wert dieser Karten zu steigern. Damit "kauft" man sich nach und nach musische, handwerkliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fähigkeiten. Zivilisationskarten, die wenig Punkte bringen (z.B. die Webkunst) und solche die viel wert sind (Demokratie und Philosophie), verkörpern dies. Denn das eigentliche Spielziel, die erwähnte kulturelle Hochblüte des eigenen Volkes, wird durch einen festen Zahlenwert ausgedrückt. Wer als Erster diesen Wert in Form von Zivilisationskarten vorweisen kann, gewinnt das Spiel.

An vielen Stellen spürt man die gelungene Umsetzung von "realen" Prozessen in einfache Spielmechanismen. Die Vielzahl an Aktionsmöglichkeiten, eine ständige Interaktion, strategische und taktische Raffinessen verbunden mit einer unglaublichen Atmosphäre machen "Civilization" zu einem absoluten Renner für anspruchsvolle Spielrunden. Auch der Ergänzungssatz mit erweitertem Brett und neuen Handelskarten ist empfehlenswert. Am besten spielt es sich mit voller Besetzung, man ist ständig am Spielgeschehen beteiligt und die Zeit vergeht wie im Flug. Allerdings können 10 bis 12 Stunden SpieldauerG) für manchen zum Problem werden.
Thomas Gross (Reutlinger Generalanzeiger

Titel: Civilization / Verlag: Welt der Spiele (dt.Version) / Autor: Francis Tresham Spielkategorie: Strategiespiel / Spielerzahl: 4-7 / Alter: ab 12 / Preis: 70,-- (+ Erg. 50,--)