Legespiele leben von dem ästhetischen Reiz der Dinge, die durch planvolles Legen entstehen: ein Fluss, ein farbiges Bild, ein Kreuzworträtsel. Das bestimmt auch auf weite Strecken das eher geruhsame Temperament dieser Spiele. Manche Spiele des Genres entwickeln eine Nähe zu den Glücksspielen, andere eher zu den Denkspielen. Und manche zu beiden gleichzeitig.
Gerade in dieser Gattung fällt die Zuordnung zuweilen schwer, da sich häufig Überschneidungen mit den Glücksspielen, aber auch den Denkspielen ergeben. Spielhistorisch sind Legespiele mit Sicherheit jüngeren Ursprungs. Aufgrund der engen Verwandtschaft mit Kartenspielen vermutet Erwin Glonnegger, dass sie dort auch ihren Ursprung haben. Tatsächlich sind uns keine Legespiele bekannt, die älter als die Spielkarte sind. DOMINO etwa ist erst um 1700 nach Europa gekommen. DOMINO und MAH-JONGG werden übrigens auch heute noch im Fernen Osten mit schmalen Spiel-Kärtchen gespielt. Feste Spielsteine sind allerdings haltbarer und dekorativer.
Auch wenn Legespiele oft über das verdeckte Aufnehmen oder Zuteilen von Steinen oder Kärtchen eine starke Glückskomponente enthalten, ist es doch nicht das schwer abzuwägende Spiel mit dem Zufall, wodurch diese Spiele ihren Spielreiz erhalten. Der resultiert zunächst einmal aus dem optischen Vergnügen: Durch planvolles Handeln entstehen reizvolle geometrische Muster, eine skurrile Figur, ein farbiges Bild, ein Kreuzworträtsel.
Die Nähe zum Denkspiel war schon in manchen DOMINO-Varianten angelegt. In einigen komplexen, taktischen Legespielen der jüngsten Zeit ist diese Verwandtschaft durchaus verstärkt und das Glückselement sehr stark zurückgedrängt worden. Äußerlich sichtbar durch das Hinzutreten eines Spielplans, der eine räumliche Komponente in Spiel bringt, die ursprünglich bei den Legespielen nicht vorhanden war. Viele Spiele, die wir heute zum "klassischen" Bestand zählen, sind Legespiele, so das DOMINO, das LOTTO, MAH-JONGG, TANGRAM, SCRABBLE und letzten Endes auch die Puzzles.
2.1 Zeichenlegespiele (Domino)
2.2 Buchstabenlegespiele (Scrabble)
2.3 Zahlenlegespiele (Rummikub)
2.4 Taktische Legespiele (Café International)
2.5 Lottospiele 2.6 Figurenlegespiele (Tangram)
2.7 Bilderlegespiele (Puzzlespiele)
2.1 Zeichenlegespiele
Bei diesen Spielen sind die Spielsteine oder -figuren mit Punkten, Symbolen
oder Bildern versehen. Im Spiel geht es darum, nach bestimmten Regeln ein
Spielstück an ein bereits liegendes passend anzulegen. Das muss nicht unbedingt
bedeuten, dass gleiches Zeichen an gleiches Zeichen anzulegen ist. Das DOMINO
bestimmt mit unendlich vielen Regeln diese Gattung in ihren verschiedenen
Formen. Viele andere Spiele haben sich das DOMINO-Prinzip zunutze gemacht.
Sie haben Bilder statt der Zahlenpunkte oder verwenden andere Spielsteine
z.B. in Dreiecks- oder Würfelform, um die DOMINO-Form zu variieren.
2.2 Buchstabenlegespiele
Basis dieser beliebten Legespielart ist das Kreuzworträtsel. Um die Jahrhundertwende
in England erfunden, erreichte es vor allem in Amerika eine ungeheure Popularität.
Bald kamen Spiele auf, die das Spielprinzip aufnahmen und variierten. Einzelne
Buchstaben waren hier auf kleine Plättchen aufgedruckt. Sie mussten nach verschiedenen
Spielregeln zu sinnvollen Worten zusammengefügt werden. SCRABBLE war vielleicht
nicht das erste dieser "Kreuzworträtselspiele", dafür aber mit Sicherheit
das bei weitem erfolgreichste. Noch heute zählt es in England, dem Mutterland
des Kreuzworträtsels, zu den beliebtesten Spielen. Seit den 70er Jahren wurden
auch im Lernspielbereich viele Buchstabenlegespiele eingesetzt. Relativ selten
tauchen dagegen Spiele auf, in denen ganze Wörter zu Sätzen arrangiert werden
müssen.
2.3 Zahlenlegespiele
In dieser Untergattung gibt es relativ viele Lernspiele, deren Ziel es ist,
Kindern den Umgang mit Zahlen spielerisch nahezubringen. Statt der Buchstaben
werden hier Zahlen, aber auch Rechenzeichen auf kleine Plättchen aufgedruckt.
Im Spiel geht es darum, diese Plättchen sinnvoll zu Rechenoperationen nach
den vier Grundrechenarten auszulegen. Eines der beliebtesten Zahlenspiele
war das RECHEN-LOTTO, das es auch schon im vorigen Jahrhundert gab. Die Idee,
Steine mit Zahlen anstelle von Karten zu Serien oder fortlaufenden Reihen
auszulegen, begründete das Spiel RUMMIKUB, das bis heute in vielen Namens-Variationen
erschienen ist.
2.4 Taktische
Legespiele
In den 70-er Jahren erweitert sich die einfache Form des Legespiels. Bereits
im Buchstabenlegespiel war das Spielbrett hinzugekommen. Nun entwickeln sich
auf diesem Brett neue, strategisch-taktisch bestimmte Legevorgänge, die in
ihrer Komplexität über das bisher gewohnte einfache Ablege-Schema hinausgehen.
Es geht jetzt nicht mehr darum, gleiche Zeichen aneinander zu legen. So müssen
etwa in CAFE INTERNATIONAL Plättchen mit bestimmten Personen zu punkteträchtigen
Konstellationen um Tische gruppiert werden. In OGALLALLA werden beutebeladene
Kanus mit möglichst wehrtüchtigen Indianern besetzt, damit sie nicht angegriffen
und erobert werden können. Rudi Hoffmann hat diese Form des komplexeren Legespiels
in besonderer Weise entwickelt, Klaus Teuber jüngst in seinem DRUNTER & DRÜBER
kongenial weitergeführt. Auch diese "taktischen Legespiele" haben ihr eigenes
Temperament. Bei aller Taktik, mit der hier gespielt wird, ist es aber immer
wieder der sich verändernde Spielplan, der diese Spiele auszeichnet und ihnen
ihren besonderen Reiz verleiht.
2.5 Lottospiele
Nach der Forschung soll das Lotto-Spiel im mittelalterlichen Genua entstanden
sein. Bei der Auslosung der fünf Mitglieder des großen Rates wettete man,
wer aus einer Reihe von 90 Namen wohl gewählt würde. Grundlage heutiger Lotto-Spiele
sind Legetafeln, die Zahlen oder Bilder tragen. Wer auf seiner Tafel eine
aufgerufene Zahl oder ein aufgezeigtes Bild wiederfindet, darf das entsprechende
Feld abdecken. BINGO als Variante des ZAHLENLOTTO wurde im 19. Jahrhundert
erfunden und erfreut sich noch heute vor allem in England, USA und der Schweiz
größter Beliebtheit. Es wird dort durchaus noch als Glücksspiel betrieben.
Sowohl mit dem ZAHLENLOTTO als auch mit alten Bilder-Lotteriespielen verwandt
ist das Kinderspiel BILDERLOTTO, das heute mit unendlich vielen Sujets angeboten
werden, beinahe jedes Jahr wechseln die Themen, die für Aufmachung und Illustration
genutzt werden. Oft stellt diese Spielform die erste Begegnung dar, die das
Kind mit Spielen hat.
2.6 Figurenlegespiele
In der bekanntesten Form, dem TANGRAM, fand dieses Genre nach 1813 eine schnelle
und umfassende Verbreitung. Da die Figuren, die sich mit Hilfe von sieben
einfachen geometrischen Formen (Dreiecken und Quadraten) auslegen lassen,
in den Umrissen sehr chinesisch anmuten, hat man die Entstehung dieses Spiels
auch umgehend nach China verlegt. Beweise dafür fehlen allerdings, ebenso
ein überzeugender Nachweis des angeblich legendären Alters dieses Spiels.
TANGRAM hat eine große Zahl von Spielen ausgelöst, bei denen es stets um das
Aus- und Zusammenlegen von geometrischen Figuren geht. Neue Reize gewann diese
Spielart der Legespiele durch die Übertragung auf andere geometrische Körper
und später dann auch auf dreidimensionale Körper. Aus dem Bereich der Solitärspiele
traten sie heraus, als auch hier ein Spielbrett sowie ein Regelwerk hinzugenommen
wurde, was regelrechte Spielabläufe ermöglichte. Eines der schönsten Beispiele
der jüngsten Zeit ist das Spiel CATHEDRAL.
2.7 Bilderlegespiele
Bilderlegespiele in Form der Puzzles sind ebenso wie die Figuren-Legespiele
zunächst keine Spiele im Sinne der Brett- und Tischspiele, da sie eigentlich
keine Spielregeln und damit keine Entfaltung des Spiels in Auseinandersetzung
mit den Festlegungen der Regeln haben. Es geht schlicht darum, ein in Puzzle-Teile
zerlegtes Bild nach einer Vorlage wiederherzustellen, sicherlich eine ideale,
entspannende Betätigung für Einsiedler wie auch für ganze Gruppen. Aus Wettbewerben
und turniermäßigen Puzzle-Veranstaltungen, bei denen das gleiche Puzzle gegen
die Zeit zusammengesetzt werden musste, entwickelte sich dann aber eine Reihe
von interessanten Spielen, bei denen ebenfalls um die Wette gepuzzelt und
um einzelne Puzzleteile gekämpft wurde.
